Balance halten

Balance halten

Waldsterben

Die bergige Region, in dem ich lebe, ist über weite Flächen von Fichtenwäldern bedeckt. Zumindest war es so. Saurer Regen, Trockenheit und Klimawandel haben die Bedingungen für Bäume im Laufe der Jahre erschwert (wann wurde zuerst davor gewarnt?), und im Moment ändert sich meine Umgebung rasant.

Es wurden große Waldflächen abgeerntet und sie sind kahl. Es wird einige Jahre dauern, bis wir sehen, ob wir wieder dieselben alten Fehler machen oder ob wir uns an die sich ändernden Situationen anpassen und die richtigen Konsequenzen auswählen können.

Dieser Anblick ist mich auf verschiedene Arten auch künstlerisch beschäftigt. Eine, über die ich letzten Monat in meinem Blog geschrieben habe, konzentrierte sich auf eine Farbsituation. In diesem nächsten geht es mehr um Linien.

Dying Forests

The mountainous area I live in is in large areas covered by forests of fir trees. Or so it was. Acid rain, drought and climate change have made conditions for trees difficult over the year (when have we been warned actually?) and right now my surroundings are changing rapidly.

Large areas have been harvested and it will take some years to see if we are making the same old mistakes again or if we are able to adapt to the changing situations and choose the right consequences.

This sight has caught my eye in various ways. About one I wrote last month in my blog, which was focussed on a colour situation. This next one is more about lines.

 

Wege

Ich habe einige digitale Zeichnungen angefertigt, die durch den Anblick umgestürzter Bäume angeregt sind. Das tote Holz hatte ist gebrochen und gesplittert, das Licht erzeugte skulpturale Formen, starke Kontraste und Konturlinien, die sich durch den Raum bewegten und das Auge führten.

Ways

I have made some digital drawings initiated by the sight of fallen trees. The wood of the dead trees had broken and splintered and the light produced sculptural forms, strong contrasts and contour lines moving through space and leading the eye.

 

 

 

Fragen

Bei der Umwandlung dieser Eindrücke in Skizzen gab es natürlich Bereiche, in denen Linien und Strukturen nicht durch die Notwendigkeit bestimmt wurden, eine bestimmte Gegenstandsform genau abzubilden. Sie waren lose gesetzt worden, um die Fläche zu strukturieren, Kontraste von Mustern und Liniendichten zu erzeugen.

Was in diesen Zeichnungen und auch in größeren Gemälden leicht zu funktionieren scheint, wird in kleineren Arbeiten komplizierter. Ich habe versucht, meinen Arbeitsprozess auf Papiere mit einer Größe von 30 x 40 cm zu übertragen, was einen Arbeitsraum für die Farbe von drei Streifen von nur wenigen Zentimetern bedeutet. Sehr klein, also gab es keine große Chance für großzügige Gesten mit dem Pinsel auf dem Papier. Meine Methode, einige Markierungen eher intuitiv zu platzieren, sah ziemlich ungeschickt und enttäuschend aus. Die Leichtigkeit und Bewegung der Formen, die ich bei meiner größeren Arbeit mochte, war verschwunden.

Questions

When transforming these impressions into sketches there were naturally parts in the work where  lines and structures did not actually reproduce some given form. There the elements had been loosely set to structure the work, for example to produce contrasts in patterns or in the density of lines.

What seems to work easily in these drawings and as well in larger paintings becomes more complicated in smaller work. I tried to translate my process of work onto papers sized 30 x 40 cm, which means a working space for the paint of three stripes of a few centimeters.Quite small indeed, so there was not much of a chance for generous gestures with the brush on the paper. My method to place some marks rather intuitionally looked quite clumsy and disappointing. The lightness and movement of forms I liked with my larger work had disappeared.

 

 

Der nächste Schritt bestand darin, die Strategie zu ändern und eine grundlegende Zeichnungsstruktur zu entwickeln, mit der gearbeitet werden kann. Ich begann mit einer hellockerfarbenen Hintergrundfarbe, die nichts Konkretes beschreiben sollte. Die zentrale und recht formatfüllende Form eines Baumes wurde zum Hauptelement. Die Farbe wurde auf einen dunklen Ton reduziert, der insgesamt einen Effekt erzeugte, der mich an Holzschnitte erinnerte.

Ausgehend von dieser Art von Zeichnung fügte ich einige Farbflecken hinzu, die einen Bezug zur Natur hatten, aber zeigten, dass sie nicht dazu gedacht waren, ein Objekt genau zu beschreiben, die Balance zu halten zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit. Es war ein grobes „Als-ob“, das mir die Freiheit gab, die Situation (und die Komposition) zu öffnen, um der Notwendigkeit zu entgehen, genaue Beschreibungen zu geben, die von einem gegenständlichen Gemälde erwartet werden.

Next step was to change the strategy and develop some basic drawing structure to work with. I started with a light ochre background colour which was not meant to describe anything in particular. The central and rather filling form of a tree became the topical element. Colour was reduced to a dark tone which altogether produced some effect which reminded me of woodblock prints.

Starting from this sort of drawing I went on adding some colour elements which had a reference to nature but showed, that they were not meant to describe some object precisely. It was a rough “as if”, which gave me the freedom to open up the process (and the composition), to escape the need to stick to precise descriptions expected from a representational painting.

 

 

Konsequenz

“Was ist das hier” ist eine Frage, die wir aus der Betrachtung eines Gemäldes kennen. Die Antwort “nichts, nur etwas Farbe” mag enttäuschend wirken, aber oft genug wird eine künstlerische Entscheidung getroffen, weil “das Kunstwerk es verlangt”.

Daher brauchen wir oft zwei Arten, um uns mit Malerei zu beschäftigen: entdecken, worum es geht und entdecken, was die Malerei als Malerei hier macht. Diese Perspektive ist sicherlich die lohnenswertere. Wir wissen, wie z.b. ein Topf oder eine Fichte aussieht, und wenn nicht, so ist die Malerei wahrscheinlich nicht das perfekte Medium, um das zu ändern.

Da es keine klare Linie gibt, die jene Farbmarkierungen trennt, die eine Bedeutung wie „Dies ist ein Topf“ oder „Dies ist eine Reflexion des Sonnenlichts“ in der figurativen Kunst haben sollen, von denen, die nur einen bedeutungslosen (ästhetischen), aber visuell vielleicht sehr lustvollen und gestalterisch exakten Teil eines nicht-gegenständlichen Kunstwerks ergeben. Ich arbeitete mich durch neue Bedingungen hindurch, die durch kleinere Formate festgelegt wurden.

Das klingt nach ziemlich schwerem und sehr abstraktem Zeug, oder? Aber viele von uns hatten diese Erlebnisse, in denen wir uns die Zeit genommen haben, Kunstwerke lange und aus der Nähe zu betrachten. Denken wir nur an eines der Rembrandt-Portraits mit ihrer zarten Skala von unzähligen Brauntönen: Oft konnten wir sehen und genießen, wie lustvoll und verspielt er mit seinem Farbmaterial umgegangen ist, nicht nur so, dass wir sehen, dass er einfach ein Meister darin war, Dinge zu zeichnen und jedes Detail von dem, was er sah, festzuhalten. Auch sein Bildnis des damaligen Bürgermeisters Jan Six ist ein hervorragendes Beispiel.

Besonders bei den alten niederländischen Meistern finden Sie solche Elemente in der Malerei wie dieses hier beschriebene. Auch bei den späten Werken von Monet und Cézanne finden wir solche Elemente, wo wir die Auflösung von Objekten in (scheinbar) frei fließende Farben beobachten können, die Dekonstruktion und gleichzeitige Rekonstrukltion. der Naturbeobachtung. Die Kunst als Parallel zur Natur, wie Cézanne es formulierte, in der Balance zwischen Beschreibung und freier Gestaltung.

Consequence

“What is this here” is a question typically coming up when we look at a painting. The reply “nothing really, just a bit of paint” might be disappointing, but often enough a decision of the artist is just made because “the painting needs this”.

So often we need two different ways to look at the same painting: discovering what it is about and discovering, what that painting as a painting does in its own right. The latter perspective is certainly the more rewarding one. We all know what for example a pot or a fir tree looks like and if not painting does not seem the perfect medium to explain this.

So there is no clear line separating those paint marks meant to carry meaning like “this is a pot” or “this is a reflection of sunlight” in figurative art and those just meant to be a meaningless (aesthetic) but joyful and exact part of a non-representational colour composition I found myself working my way through new conditions set by smaller formats.

This sounds like quite heavy and very abstract stuff, right? But many of us have had these moments when we took our time looking vey closely at paintings. Let’s just think of some Rembrandt portrait with a delicate scale of countless brown tones. Often we can see how joyful and playful he seems to handle his color material. Certainly he was a master of drawing but he never simple stuck to a description of objects. One of my favorite examples is his portrait of Jan Six, then Mayor of Amsterdam.

Especially with the old Dutch masters we find a rathe free way of painterly work like the one described. But take a look at the late works of Monet and Cézanne, too. Here the object often dissolves  into e free painterly structure, a seemingly free flow of colors. We might callout a deconstruction as well as a reconstruction of nature. Defining his work as a parallel to nature Cézanne reached a balance between depiction and a free form of painting.